MIC: Mikrobiell induzierte Korrosion
Mikrobiell induzierte Korrosion (MIC) ist keine einzelne Bakterienart, sondern ein komplexes Ökosystem verschiedener Mikroorganismen, die unter Sauerstoffarmut, Sedimenten und Nährstoffen gedeihen – genau die Bedingungen, die in Sprinklertanks häufig vorherrschen. Verschiedene Bakteriengruppen arbeiten dabei oft zusammen und verstärken sich gegenseitig in ihrer korrosiven Wirkung.

Sulfatreduzierende Bakterien (SRB) wie Desulfovibrio, Desulfotomaculum und Desulfobacter sind die gefährlichsten Akteure der MIC. Sie sind strikt anaerob, „atmen" Sulfat (SO₄²⁻) als Elektronenakzeptor und produzieren dabei Schwefelwasserstoff (H₂S). Dieser reagiert mit Eisen zu Eisensulfid – dem typischen schwarzen Schlamm – und unterhält gleichzeitig eine extrem aggressive saure Mikro-Umgebung im Biofilm, die den Stahl punktuell durchfrisst (Lochfraß / Pitting). Beim Öffnen eines Mannlochs ist H₂S oft am charakteristischen „faule-Eier-Geruch" erkennbar – ein klares Warnsignal. SRB siedeln bevorzugt unter Sediment- und Biofilmschichten am Tankboden, dort kommt normale Chlorung kaum hin. Im BART-Test
(SRB-BART) zeigen aktive SRB innerhalb weniger Tage eine schwarze Färbung am Röhrchenboden – je schneller, desto höher das MIC-Risiko.
Eisenoxidierende Bakterien (IOB) wie Gallionella und Leptothrix nutzen gelöstes Eisen (Fe²⁺) und setzen es zu Eisenoxiden (Rost) um. Das führt zu braunen, zähen, schleimigen Belägen und Unterkrusten-Korrosion. Sie beschleunigen Korrosion oft indirekt, indem sie dicke Beläge erzeugen, unter denen sauerstoffarme Mikrobereiche entstehen. Zusätzlich können diese Ablagerungen zu Verstopfungen und Einschränkungen in Rohren führen.
Eisenreduzierende Bakterien (IRB) wie Shewanella und Geobacter können festes Eisen(III) (Fe³⁺) zu löslichem Eisen(II) (Fe²⁺) zurückreduzieren. Dadurch destabilisieren sie schützende Rostschichten, erzeugen lokale Anoden-Kathoden-Bereiche und fördern Pitting und Flächenkorrosion. IRB und IOB treten oft gemeinsam auf und bilden eine Korrosions-"Maschine", die sich gegenseitig begünstigt.
Säurebildende Bakterien (APB) wie Acidithiobacillus und diverse heterotrophe Arten erzeugen organische oder anorganische Säuren (z.B. Essigsäure, Milchsäure). Das führt zu pH-Absenkung im Biofilm, massiver lokaler Materialauflösung und verstärkter Lochfraßkorrosion, besonders an Einbauten und Rohrschellen. Diese Bakterien kommen häufig in Tanks mit organischer Belastung oder Algenwachstum vor.
Schleim- und Biofilm-Bildner (SLYM, EPS-Bildner) wie Pseudomonas, Flavobacterium, Aerobacter und Bacillus sind aerob bis fakultativ anaerob und sind die Baumeister des MIC-Ökosystems. Sie produzieren extrazelluläre polymere Substanzen (EPS) – einen klebrigen Schleim, der zum Schutzschild für die gesamte Bakteriengemeinschaft wird. Im Tank sieht man sie als weißlich-gelbe, fadenartige oder gallertige Beläge an Tankwänden, Antiwirbelplatten und Rohrhalterungen. Der Schleim selbst korrodiert nichts, aber er schafft Sauerstoffgradienten (außen aerob, innen anaerob) und damit die ideale Nische für SRB, IRB und APB – ohne SLYM-Schleim funktioniert deren Schadenswirkung kaum. Im BART-Test (SLYM-BART) zeigen sie sich durch Trübung, Schleimflocken oder eine leuchtende Schicht unter UV-Licht.
Entscheidend ist das Zusammenspiel: Die Biofilm-Bildner schaffen das Milieu, in dem sulfatreduzierende Bakterien Lochfraß verursachen, eisenoxidierende und -reduzierende Bakterien Rost umwandeln und säurebildende Bakterien den pH-Wert absenken. Dieses multifaktorielle Ökosystem macht MIC zu einer der aggressivsten Korrosionsformen in Sprinklertanks.



